Donnerstag, 26. April 2012 16:29

Vorab muss ich sagen, dass
ich Haftbefehl nie wirklich gefeiert habe, da ich mit seinem “Stil” nie wirklich etwas anfangen konnte, wollte mir das Album aber trotzdem anhören, um mir einen Eindruck zu verschaffen, ob er sich entwickelt hat und besser geworden ist. Fakt ist, dass Haftbefehl definitiv eine Daseins Berechtigung in der Szene hat, da er mit einem einzigartigen Stil insbesondere Migranten anspricht und durchaus Erfolg hat. Da ich allgemein RapFanatiker bin, habe ich mir auch dieses Album angehört und werde versuchen eine weitgehend objektive Bewertung abzugeben, ohne Haftbefehl zu beleidigen, da ich finde dass er aufgrund seines Erfolges eine konstruktive Kritik verdient hat.
‘Das ist kein Deutsch, was ich mache ist Kanackisch.’ – So beginnt Haftbefehl sein Album, was bereits zeigt, an wen dieses Album gerichtet ist. Haftbefehl stößt mit seiner Musik auf Anerkennung bei Ausländern, da er in Deutschland lebt und ein Art Statussymbol ist, für junge Migranten, die es schwer haben sich in die Deutsche Gesellschaft zu integrieren, oder es gar nicht wollen.
Abgesehen davon, werde ich auf seine Fähigkeiten weitesgehend nicht eingehen, da der “Youtuber” JuliensBlog das schon auf sarkastische Art und Weise getan hat und ich prinzipiell seine Ansicht teile, was die typischen Merkmale des Deutschrap angeht: Technik, Flow, Wortgewandheit. Haftbefehl kann sich in keiner dieser Kategorien als wirklich “gut” bezeichnen, da ihm für Technik und Wortspiele/Doubletime/Reimpassagen einfach die Fähigkeiten der Deutschen Sprache fehlen. Der Flow ist einzigartig, leider hört sich diese ausländische Teint eher zurückgeblieben an, was mit Sicherheit auch Geschmacksache ist.
Grundsätzlich ist es mir egal, was für Skills ein Rapper besitzt, wenn er eine ordentliche Message hat. Aber auch hier überzeugt Haftbefehl in keiner Weise. Fakt ist, dass Musik von Leuten produziert wird, um Menschen etwas mitzuteilen, zu kritisieren, ein Hörgenuss erschaffen, um gute Laune zu bereiten oder zu unterhalten. Den letzten Punkt kann man Haftbefehl sicher nicht abstreiten, auf eine Art und Weise unterhält er in der Tat. Allerdings empfinde ich diese Art und Weise eher als lächerlich, da seine Themen nur Drogen, Härte und pseudodeepe Kriminalität erhalten, die seine Texte einfach nur langweilig machen. Hinzu kommt, dass seine Hooks langsam auch Richtung Mainstream gehen. (Autotune)
Ignoranz gehört zum Paket. ‘Bevor ich deutschen Rap hör, hör ich Nicki Minaj’. Prinzipiell höre ich auch Kollegah, IGNORANZ, ARROGANZ, einfach nur Unterhaltung. Das ist Kolles Image. Komplett ohne Sinn, aber er hat eine Marktlücke gefunden. Haftbefehl ebenso, mit seiner harten Musik spricht er viele an. Allerdings ist es unfassbar lächerlich, wenn man mal hinter die Fassade blickt: “Ich bin Haftbefehl, hab keinen Schulabschluss, verdiene aber Unmengen Geld, indem ich deepen Street- Azzlack-Rap mache und somit jugendliche Ausländer erreiche, da diese in Deutschland leben, aber letzendlich sich nicht integrieren wollen/können, da sie dafür zu viel Stolz besitzen und Ehre und Härte das wichtigste für sie ist” – Er inspiriert seine Hörer, da er zeigt, dass man auch ohne Massen an Intelligenz Erfolg haben kann. Somit stößt er auf vollen Respekt – Ich persönlich empfinde es als Schein und als eine Beleidigung für deutschen HipHop. Leute wie Tua oder Maeckes rappen so tiefgründige Sachen, dass sie bei der breiten Masse nicht ankommen, und Haftbefehl stellt diese Szene in ein anderes Licht und erntet Lorbeeren.
Fazit: Für mich ist dieses Album ein Beweis dafür, dass Deutschland den Bach runtergeht. (Nicht aufgrund von Ausländern, sondern aufgrund der Tatsache, auf welche Art und Weise Personen Erfolg haben). Für mich gleicht dieses Album dem Niveau von DschungelCamp und ist mit Abstand das musikalisch schlechteste Album, dass ich seit langem gehört habe. Letztendlich kann ich Haftbefehl nichts abgewinnen, da selbst seine harten Texte nur die Masse wiederspiegelt, die gerne so sein würde, wie er. Wie gesagt, das ist meine Meinung, Haftbefehl selbst scheint eigentlich ein Typ zu sein, der echt in Ordnung ist, aber jeder der diese Musik für voll nimmt, sollte sein Leben mal restaurieren.
1,5 / 5 Sterne – 2 Tracks haben hörbare Passagen, der Rest ist für mich nicht ernstzunehmen.
Abschließend ist zu erwähnen, dass das hier meine Meinung ist – Leute die diese Musik als Unterhaltung empfinden, will ich nicht hindern, diese zu hören.